Bericht aus Brüssel
Nachricht, veröffentlicht am 16.11.2025 von Ines Kinsky
Vom 11. -13.11.2025 hat eine 15-köpfige Delegation Thüringer LEADER Akteure in Brüssel Gespräche über die Zukunft der Förderung im ländlichen Raum geführt und einen Einblick in die komplexen Strukturen des Europäischen Parlaments und der Kommission erhalten.
Die Zusammensetzung der Reisegruppe hat die Vielfalt der Interessen und Beweggründe für das Engagement im ländlichen Raum unserer LEADER Regionen perfekt abgebildet. Die Teilnehmenden kamen aus den drei Ostthüringer Saale-Regionen sowie aus den Landessprecher-Regionen Sömmerda-Erfurt und Wartburgregion. Mit dabei war auch unsere BAG LAG Vorstands-Vertreterin aus dem Altenburger Land und eine Vertreterin aus dem TMWLLR. Die Gruppe hat ein Altersspektrum von 22 bis 70 abgedeckt und war damit sowohl reich an Erfahrung als auch an jugendlichem Esprit, was die Gespräche intensiv und lebendig gemacht hat.
Als die Fahrt nach Brüssel im Sommer geplant wurde, hatte niemand geahnt, dass die Gespräche mit Personen aus den Generaldirektionen der EU-Kommission sowie mit Abgeordneten des EU-Parlaments am 12. und 13.11.2025 derart brisant und aktuell sein werden.
Nachdem die Europäische Kommission Mitte Juli ihren Entwurf für den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) 2028-2034 vorgestellt hatte, gab es massive Proteste und die Ankündigung einer grundsätzlichen Ablehnung aus dem Parlament. Am 10.11. hatte die Kommissionspräsidentin daraufhin Änderungsvorschläge präsentiert, die unter anderem eine Zielvorgabe für die Förderung ländlicher Räume (Rural Target) enthält. Am 03.11.2025, als Hartmut Berndt (BAG LAG) die Reisegruppe bei einem Treffen in Weimar noch einmal mit den Eckpunkten des Entwurfs zum MFR vertraut gemacht hatte, war daran noch nicht zu denken. Was sich nun mit der Formulierung ‚10% - Zielvorgabe für die Förderung ländlicher Räume‘ sehr gut anhört, erwies sich auf konkrete Nachfrage in den Gesprächen in Brüssel kaum geeignet, um automatisch als positive Meldung für LEADER und andere uns vertraute Programme, wie die Dorfentwicklung, wahrgenommen werden zu können.
In jedem Fall wird es ab 2028 weniger Mittel geben. Ohne die Sicherstellung einer finanziellen Grundausstattung könnten die bestehenden Strukturen und der flächendeckende Ansatz in Frage gestellt sein. Wir müssen also vor allem weiter daran arbeiten, die Bedeutung von LEADER für die Stärkung der Demokratie und als Bekenntnis zu Europa für die Entscheidungsträger in Brüssel, Berlin und Erfurt greifbar zu machen. Denn: LEADER ist nicht einfach ein Förderprogramm, sondern eine Methode, die es den Menschen in ländlichen Räumen ermöglicht, selbst wirksam zu werden. Eine Investition in das Sozialkapital, die sich leider schwer in Zahlen und Wirtschaftskraft abbilden lässt.
Die Reisegruppe hat noch vor Ort in Brüssel beraten, welche konkreten nächsten Schritte unternommen werden, um im Schulterschluss mit der BAG LAG und wichtigen Akteuren im ländlichen Raum weiter darum zu kämpfen, dass es ein Ring-Fencing, einen vorgegebenen Budgetansatz für LEADER/CLLD geben wird. LEADER, in ‚unserer Welt‘ eine maßgebliche Größe, ist im Universum des Haushaltes der Europäischen Union gefühlt, nur ein Staubkorn im Universum. Wir müssen weiter deutlich machen, was LEADER für den sozialen Frieden, das Miteinander in der Gesellschaft und auch die Zukunft der Kleinstädte und Dörfer im ländlichen Raum bewirkt.
Zu den Ergebnissen der Reise gehört aber auch eine Fülle an positiven Eindrücken: die Bereitschaft und Offenheit aller Gesprächspartner, die Impressionen aus dem Europäischen Parlament – wir hatten sogar die Gelegenheit, kurz der Parlamentsdebatte beizuwohnen, die Eindrücke vom quirligen Brüssel bei fast frühlingshaften Temperaturen im Herbst und nicht zuletzt der Austausch untereinander im Netzwerk der Thüringer LEADER-Familie.
Herzlichen Dank an Sören Kube für die Idee und Organisation der Reise! Großes Lob und Dank an Sven Bermig von der Thüringer Landesvertretung, der dabei geholfen hat, die Kontakte zu den gewünschten Gesprächspartnern zu vermitteln. Wir durften einen Raum der Landesvertretung nutzen und wurden super verpflegt. Sven Bermig hat uns über die gesamte Zeit in Brüssel begleitet.
Mit folgenden Personen konnten wir in Brüssel Gespräche führen:
• Nelly König (Verband der Landwirtschaftskammern)
• Susanne Wander (EKD EU-Vertretung)
• Sven Bermig (Landesvertratung des Freistaats Thüringen in Brüssel)
• Živilė Kazlauskaitė und Iwona Lisztwan (Generaldirektion DG AGRI)
• Michael Schmitz (Deutscher Landkreistag)
• Sabrina Repp (Europaabgeordnete S&D, SPD Mecklenburg-Vorpommern, Vollmitglied im Regionalausschuss des EP)
• Marion Walsmann (Europaabgeordnete EVP, CDU Thüringen, stellvertretendes Mitglied im Agrarausschuss des EP)
• Janos Schmied (Generaldirektion Regionalentwicklung DG REGIO)
