Vertraut euch! - Dokumentation der Begleitveranstaltungen zum Zukunftsforum vom Januar steht zum Abruf bereit

Nachricht, veröffentlicht von Ines Kinsky am 02.03.2018

Wie stärkt man die Verantwortung regionaler LEADER-Akteure und wie schafft man das dafür notwendige Vertrauen auf allen beteiligten Ebenen? Das war die zentrale Fragestellung der DVS- Veranstaltung auf dem Zukunftsforum 2018 in Berlin.

Teilnehmerbeteiligung via Mentimeter-App
Teilnehmerbeteiligung via Mentimeter-App

Eine besondere Stärke von LEADER ist die Vielfalt von Menschen und Institutionen, die in den Aktionsgruppen (LAG) zusammengeschlossenen sind. Sie verfügen über das „regionale Know-how“, um die passenden Förderentscheidungen zu treffen. Damit sich diese Kompetenz entfalten kann, ist das Vertrauen zwischen allen am LEADER-Prozess Beteiligten notwendig: Es mehren sich die Stimmen, die fordern, dass sich nicht nur die Förderpolitik generell stärker durch den Ansatz „Vertrauen statt Misstrauen“ auszeichnen soll, sondern auch die Förderpraxis vor Ort. Rund 150 Teilnehmer nahmen an der Veranstaltung teil; Mitveranstalter waren die Bundesarbeitsgemeinschaft der LEADER-Aktionsgruppen (BAGLAG) und die Agrarsoziale Gesellschaft (ASG).

Europa vor Ort sichtbar machen
„Partnerschaft und Entwicklung von unten“ war in den 1990er-Jahren, so Heino von Meyer von der OECD in Deutschland, ein wesentliches Merkmal der jungen Gemeinschaftsinitiative LEADER. Um diesen Gedanken wiederzubeleben genüge es nicht, nur Methoden und Verwaltungsvereinfachungen zu diskutieren, erforderlich sei vielmehr eine intensive politische Debatte, mit dem Ziel, den europäischen Gedanken durch konkrete Aktionen vor Ort erfahrbar zu machen – und da bietet LEADER große Chancen. Aber nur dann, wenn der partizipative Prozess von unten lebendig bleibt und nicht als „Fake-LEADER“ lediglich der einfachen Verwaltung dient. Ohne Vertrauen, so von Meyer, gebe es kein „Revival von LEADER“, denn dies sei der wesentliche Bestandteil der regionalen Verantwortung.

„Vertrauen wirkt!“
Dass Vertrauen eine wichtige Ressource des sozialen Miteinanders ist, davon ist Professor Martin Schweer vom Zentrum für Vertrauensforschung (ZfV) an der Uni Vechta überzeugt. Vertrauen wirke sich positiv auf Regionalentwicklungsprozesse aus, da es dazu beiträgt, Motivation, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit der Akteure zu steigern, so Schweer; es sei auch förderlich für Austausch, Kreativität und die Identifikation mit den Zielen der Projekte.
Schweer betont, „dass sich vertrauensbildende Maßnahmen nur von Systemen initiieren lassen, die selber auf der Basis von Vertrauen funktionieren. Entscheidende Faktoren in diesem Zusammenhang sind Echtheit, Authentizität, Wertschätzung und Respekt“. Denn: „Vertrauen ist nichts, was sich ergibt. Man muss hart arbeiten, damit sich Vertrauen im Sinne einer Vertrauenskultur entwickelt.“ Auf organisatorischer Ebene sind Transparenz, Fairness und Gerechtigkeit dafür Voraussetzungen, außerdem sind offene Kommunikation und Informationen wichtig und dass die Akteure an relevanten Entscheidungsprozessen teilnehmen. Eine gelungene Förderpolitik kennzeichne aber auch „ein konstruktives Verständnis der notwendigen Kontrollmechanismen“; vor allem aber eine Stärkung von Verantwortung und Innovationsfähigkeit. Dies funktioniere jedoch nur, wenn das zwingend mit dem Vertrauen verbundene Risiko als Herausforderung und nicht als Bedrohung wahrgenommen werde. 

Vertrauen in die Region
Worauf baut gegenseitiges Vertrauen bei den LEADER-Akteuren? Die Teilnehmer fassten es in zwei Thesen zusammen: Die LAG verdient Vertrauen, weil sie in der Region verankert ist, transparent arbeitet und gemeinsam Verantwortung übernimmt. Als Grundlage eignet sich das Regionale Entwicklungskonzept, weil „es hinreichend verbindlich und konkret ist und in einem partizipativen Prozess entwickelt wurde“. [stk]

SERVICE:
Dokumentation mit ausführlichem Bericht, Arbeitsgruppenergebnissen und Audio-Mitschnitten: 
www.netzwerk-laendlicher-raum.de/zukunftsforum

Dort finden sich außerdem Links zu aktuellen Forderungen zur Neugestaltung von LEADER.

KONTAKT:
Stefan Kämper, DVS
Telefon: 0228 6845-3722
stefan.kaemper@ble.de
 
Foto: BMEL, Ingo Heine